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Helping Vets 2020 - Digitaler Applaus für den Tierschutz








Im vergangenen Jahr alle gemeinsam auf der Zugspitze, in diesem Jahr jeder für sich vorm PC-Bildschirm – die achte „Helping Vets“- Preisverleihung fand am 14.10.2020 unter hoffentlich einmaligen Bedingungen statt. Die Firma Heel, welche für Biologische Heilmittel für die Tiermedizin bekannt ist, fördert mit dem Preis jährlich gesellschaftliches Engagement für den Tierschutz. 30 Bewerbungen habe es dieses Mal gegeben. Daraus ausgewählt wurden die Tierhilfe Fünfseenland e.V. aus München, die Fürther Greifvogelauffang- und Pflegestation des Tierarztes Dr. Rainer Hussong und seines Vaters Hans Kurt Hussong sowie der Tierschutzverein Speyer und Umgebung e.V.. Per Live-Videokonferenz und kurzen Imagefilmen wurden den etwa 25 zugeschalteten Pressevertretern die Preisträger präsentiert.

 

Prominenter Gast der digitalen Veranstaltung war das Model Sarah Brandner, die als Schirmherrin der Tierhilfe Fünfseenland e.V. auftrat. Dieser Verein ist vor allem im präventiven Tierschutz tätig, in dem er Aufklärungsarbeit über die Bedürfnisse und die Köpersprache von Hunden leistet. Das geht entweder per Telefon, in einem Infoladen in der Münchener Innenstadt und auch mit Vorträgen in Schulen. Dabei besteht auch die Möglichkeit, einen kostenlosen „Hundeführerschein“ zu erlangen. Ziel dieser Bildungsaktionen ist es, dramatische Zwischenfälle zwischen Hunden und Kindern/Erwachsenen zu verhindern. Diese gründen sich häufig im falschen Umgang mit den Tieren oder einer unüberlegten Anschaffung und enden für die Hunde nicht selten im Tierheim. Für die Aufklärungsarbeit setzt der Verein um Sophie Boeckmann und Mira Vierow auch auf den Einsatz von Tierschutzhunden. Die Vermittlung von hilfebedürftigen Hunden an zumeist private Pflegestellen und die Unterstützung bei Tierarztrechnungen sind weitere Bestandteile der Vereinsarbeit. So kam auch Sarah Brandner, die eine langjährige Freundschaft mit Boeckmann teilt, zu ihrem ersten Hund, dem Labrador Paco aus Ungarn, der traumatisiert vom Verein gerettet wurde.

 

Seit Juni herrscht im Tierheim Speyer Aufnahmestopp. Zwar würden sich in Corona-Zeiten mehr Menschen auf die wichtige soziale Funktion von Tieren besinnen; diesem verstärkten Interesse an Tierheimtieren steht jedoch in der Pandemie eine schwierige finanzielle Situation vieler Tierhalter gegenüber, berichtet die Erste Vorsitzende Patrycia Schwarz. So ist an eine Entspannung der Platzsituation im Tierheim Speyer in diesem Jahr nicht zu denken. 20 Katzen, 25 Kleintiere und etwa 40 Hunde werden dort von vielen Haupt- und Ehrenamtlichen Tierfreunden ver- und umsorgt, zum Beispiel durch das Vorstandsmitglied Uwe Grimm. Nach seiner Arbeit im Krankenhaus sei er oft noch bis spät abends mit Arbeiten im Tierheim beschäftigt, 14- Stundentage sind dabei keine Seltenheit. Die Tierschutzarbeit ist eine zusätzliche Anstrengung, die er jedoch gern macht. Eine große Belastung für die Helfenden im Tierheim ist der tägliche Transport von Wasser zur Reinigung und zur Versorgung der Tiere über mehrere Kilometer, da es an einem Wasseranschluss an einem Standort fehlt. Der große Wunsch für die Zukunft wäre deshalb ein Neubau mit mehr Platz und modernerer Ausstattung, jedoch auch Kosten von mehreren Millionen Euro. Somit wird das Preisgeld erstmal in die Erneuerung der Elektronik im Hundehaus fließen, um den Schützlingen ein noch besseres Umfeld zu bieten.

 

Den Wildtieren, hierbei den Wildvögeln im Speziellen, nehmen sich Vater und Sohn Hussong an. 2001 gründeten sie die Greifvogelauffang- und Pflegestation in Fürth. Die Liebe zu Falken, Eulen und Co. bestehe beim Vater bereits seit über 65 Jahren und beim Sohn, seitdem er 4 Jahre alt war. In diesem Jahr nahmen sie sich bereits über 100 Wildvögeln an. Dabei handelt es sich um geschwächte Jungvögel oder verletzte Adulte, die bei ihren Raubflügen auf Windschutzscheiben oder in Stacheldrahtzäunen landen. Die tierärztliche Versorgung der Brüche und anderer Verletzungen, die daraus hervorgehen, kann Dr. Hussong direkt in seiner Praxis in Mittelfranken übernehmen. Bei der weitergehenden Versorgung arbeiten Vater und Sohn Hand in Hand. Dabei ist das Wiederauswildern stets oberstes Ziel. Dafür sei es auch notwendig, den menschlichen Kontakt so gering wie möglich zu halten, was etwa durch die Fütterung per Futterohren gewährleistet werde. Dieser Umstand enttäusche häufig Menschen, die die Station besuchen wollen, um den Vögeln nahe zu kommen. Weitere Tierschutzarbeiten, die von den beiden begeisterten Falknern geleistet werden, sind die Schaffung künstlicher Horste und die Bereitstellung und Überwachung von Nisthilfen. Hans Hussong wird bereits 80 Jahre. Natürlich wolle er so lange weiter machen, wie es möglich ist. Die beiden Tierfreunde würden sich langfristig jedoch eine Person wünschen, die mit ebenso viel Herzblut die Arbeit des Vaters übernehmen würde. Das Preisgeld soll in eine neue Voliere fließen.

 

Statt einer wie sonst üblichen Feierstunde schloss die Veranstaltung in diesem Jahr mit einem angemessenen digitalen Applaus für die „beeindruckende Leistung“ der Ausgezeichneten. Neben dem Preisgeld in Höhe von 2000 Euro, das jede der drei Hilfseinrichtungen erhält, wären weitere Spender eine Freude für die Tierschützer.


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Heel Helping Vets 2020